Aufruf für einen 1. März gegen Grenzregime und Prekarisierung

12745990_1681281428809727_806652917900127839_nIn den letzten Jahren sind wir in Europa Zeugen eines allgemeinen Angriffs auf die Arbeits- und Lebensbedingungen geworden: die Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen, Abbau und Privatisierung von öffentlichen Dienstleistungen, die Einschränkung von Grundrechten wie der Bewegungsfreiheit und steigende Schwierigkeiten eine angemessene Unterkunft zu finden laufen darauf hinaus, die Rechte von uns allen einzuschränken.

Die Austeritätsmaßnahmen wurden auf Kosten der unteren Schichten und der Arbeiterklasse durchgeführt, haben die soziale Krise verschlimmert und prekäre Lebens- und Arbeitsbedingungen auf immer breite Bevölkerungsgruppen ausgedehnt. Zur gleichen Zeit hat die strategische Schwäche der Gewerkschaften zugenommen und haben repressive Maßnahmen gegen Dissens und Protest es immer schwieriger werden lassen für Demokratie und Rechte zu kämpfen.

Allerdings besteht eines der wichtigsten Merkmale moderner Arbeit in der Mobilität der Arbeiter*innen (und Nicht-Arbeiter*innen), ihrer Fähigkeit sich von schlechteren in bessere Verhältnisse zu bewegen (oftmals vom Tod zum Leben) und sich damit gegen Armut und Ausbeutung zu wehren. Wir können aber auch sehen, dass die Migration im Kapitalismus nur als „gut“ gilt, wenn sie Arbeitskräftemangel behebt oder es möglich ist sie dazu zu benutzen, die Konkurrenz zwischen den Arbeiter*innen anzuheizen, wenn sie in anderen Worten funktional für einen Kriegen zwischen den Vielen und den Profit der Wenigen ist.

In Berlin finden die Neuankömmlinge dabei oftmals nur Arbeit unter besonders prekären und ausbeuterischen Bedingungen, auf dem Bau, in der Gastronomie, dem Hotelgewerbe oder im Gesundheitswesen. Sie füttern einen stetig wachsenden prekären Sektor der arbeitenden Bevölkerung, der die Grundlage für die boomende Wirtschaft und die andere Seite des Hypes um die Szene- und Partymetropole ist. Vom wachsenden Logistiksektor im Berliner Speckgürtel, wo Unternehmen wie Amazon oder Zalando befristete Arbeitsverträge gegen die Organisierung und den Widerstand der Beschäftigten einsetzen, über die sich selbstausbeutenden Künstler*innen in Neukölln und Wedding, die von der Regierung für das Berliner Image instrumentalisiert werden um die Stadt für Investoren attraktiver und für ihre Bewohner*innen teurer zu machen, bis zu den unter- und teilweise gar nicht bezahlten Arbeiter*innen in den Gaststätten und auf den Baustellen der neuesten und hippsten Einkaufszentren im Herzen der Stadt, kämpfen Migrant*innen und „Einheimische“ mit wachsender Arbeitsplatzunsicherheit, Verletzungen von Arbeitsrechten, Druck auf die Löhne und steigenden Wohn- und Lebenshaltungskosten. Es ist an der Zeit bestehende Spaltunslinien und Unterschiede zu überwinden und gemeinsam zu kämpfen.

Unsere Rechte hängen von unseren Pässen, unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen von unserer Klasse ab. Die bestehende Politik teilt uns in Gruppen von Nicht-EU, EU aber nicht-deutsche und deutsche Staatsangehörige auf, um uns zu isolieren und einen gemeinsamen Kampf für die Verbesserung unserer Situation zu verhindern. Lassen wir uns nicht gegeneinander ausspielen und drehen wir den Spieß um!
Der Arbeitsplatz ist dabei nicht mehr der einzige Ort an dem der Kampf organisiert werden muss, da die Arbeit fragmentiert und prekarisiert ist. Es ist daher notwendig neue Wege zu beschreiten, auf denen Arbeiter*innen, Arbeitslose, communities, soziale Bewegungen, Nachbarschaften, Migrat*innen zusammenfinden
Deshalb schlagen wir den 1. März als einen ersten Versuch vor Migrant*innen und Prekäre unterschiedlicher Art zusammenzubringen um Nein zum Grenzregime zu sagen und damit zu beginnen die Ausbeutung unserer Arbeit zu beenden, gleiche Rechte für alle einzufordern und den gesellschaftlich produzierten Reichtum aus den Händern der Wenigen in die von allen zu verteilen.

Der 1. März wird ein europäischer Aktionstag in verschiedenen Städten sein, ein Moment der Sichtbarmachung und des Zusammenkommens.
Wir rufen jede Gruppe und jede Einzelperson dazu auf, sich an diesem Tag mit uns um 16.30 Uhr am Leipziger Platz, vor der Mall of Berlin (besser bekannt als Mall of Shame), zu treffen, von wo aus wir gemeinsam zu einem Stadtspaziergang aufbrechen werden, auf dem wir verschiedene Realitäten von prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen in der Stadt sowie die Kämpfe dagegen sichtbar machen und zusammenbringen wollen.

Der 1. März ist ein Experiment und der Beginn eines Prozesses zusammenzukommen und uns zu verbinden. Zum Ausklang des Tags wird es daher eine offene Versammlung auf dem Oranienplatz um 19 Uhr geben.

Let’s take a walk on the worker’s side

Zum Facebookevent

Dieser Beitrag wurde unter Veranstaltung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.