Revolutionen sind die Sonderzüge der Geschichte! – Bericht aus dem Blockupy-Sonderzug

Wir wussten: Großartiges wird an diesem Tag, dem 17. März 2015 und auch dem darauf folgenden Tag stattfinden. Ein Zug voller solidarischer Menschen die gemeinsam die Eröffnungsfeier der EZB massiv stören würden. Den Herrschenden zeigen, dass wir die Schnauze voll haben von ihrer sogenannten “Rettungspolitik”. Entschlossen und selbstbestimmt haben wir unsere sieben Sachen gepackt und sind nach Frankfurt gefahren.

Ein paar Eindrücke von unserer Stimmung und Atmosphäre im Zug wollen wir versuchen wiederzugeben.

Der Zug rollte mit 15 Waggons und Überlänge am Ostbahnhof ein – ein Zug der länger ist als ein Fußballfeld, prall gefüllt mit wütenden Menschen, die sich nicht länger durch autoritäre Austeritätspolitik in Europa berieseln lassen wollen.

Wichtig ist es uns allen gewesen unsere Solidarität über nationale Grenzen zu versprühen und damit unserem transnationalen Anspruch gerecht zu werden. International war unser Zug, vielsprachig, vielseitig und vor allem tolerant allen Mitfahrenden gegenüber.

Mit einer breiten, selbstorganisierten Veranstaltungsreihe in unserem „Gesellschaftsabteil“ sind wir unserer Utopie von einem solidarischen Europa für uns näher gekommen.

Es gab praktische Veranstaltungen, wie das Bemalen von Schildern und Regenschirmen, aber auch historische Vorträge über die Geschichte der europäischen Revolutionen und der Pariser Kommune. Damit wurden auch Grundlagen für eine gemeinsame politische Zusammenarbeit geliefert. Und wir hatten Spaß dabei!

Wir haben gesungen, wir haben gebastelt für den nächsten Tag, wir haben zusammen gefeiert, wir haben uns kennengelernt, wir haben gemerkt wir sind nicht alleine, sondern wir kämpfen zusammen. Gerade wegen unserem Ziel und unserem breiten Bündnis sind uns unsere Gemeinsamkeiten wichtiger als unsere Unterschiede geworden.

Wir haben zusammen festgestellt, dass uns unsere Genossinnen und Freundinnen, die flüchten mussten aus unterschiedlichen Gebieten dieser Welt und trotzdem mit uns im Zug nach Frankfurt mitgereist sind, uns näher sind als das Vorgelebte in Funk und Fernsehen im kapitalistischen Alltag. Wir lassen uns nicht auseinander dividieren, wir schweißen uns selbst zusammen im politischen Kampf gegen Frontex und die Abschottung der europäischen Grenzen.

Neben allem was gut gelaufen ist, den Erfolgen, die wir erzielt haben, müssen wir auch Selbstkritik üben. Sicherlich war der Sonderzug ein enormes Mobilisierungsmoment und ein eindeutiges politisches Zeichen, allerdings hat uns dieses Großprojekt, zusammen mit Blockupy auch an die Grenzen dessen gebracht was wir leisten können. Das hat unter anderem dazu geführt, dass wir auf der Rückreise mit dem Sonderzug keine adäquaten Strukturen mehr gehabt hatten um auf Polizeirepression, aber auch auf Probleme innerhalb des Zuges zu reagieren (z.B. Awareness). Zu einer politischen Anreise gehört auch die Rückreise. Doch aus unseren Fehlern lernen wir für’s nächste Mal – denn der nächste Sonderzug rollt bestimmt schon bald! Unser Kampf geht weiter, wir werden ihn gemeinsam gestalten!

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Ein paar bewegte Eindrücke vom Zug gibts in Kurzdokus von NDOnline und SpOn.

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